Nein, nein, nein…. Meine Suppe esse ich nicht!! Was kann ich machen, wenn mein Kind nicht essen will?

Immer wieder erreichen mich in der Ernährungsberatung Anrufe oder Mails von besorgten Eltern und Großeltern, die sich Sorgen um das Essverhalten ihrer Kinder oder Enkelkinder machen.

Jedes Restaurant bietet heute den obligatorischen Kinderteller an:

  • Nudeln mit Tomatensoße
  • Kleines paniertes Schnitzel mit Pommes rot/weiß
  • 5 Fischstäbchen an Zitronenscheibe mit Pommes und Salatgarnitur
  • 3 Reibekuchen mit Apfelmus

Essen unsere Kinder wirklich so wenig abwechslungsreich? Sind sie zufrieden, wenn zwischen Pommes, Schnitzel, Pizza und Mc… gewechselt wird? Haben die Kids von heute keine Lust auf die bunte Vielfalt von Obst, Gemüse, Getreideprodukte, Fisch und Fleisch?

Gesundes Mittagessen? Fehlanzeige!

Mittags um 13.00 Uhr in Deutschland:

„Mama, was gibt es heute zu essen? Blumenkoooohl? Oh nein, Du weißt doch, dass ich keinen Blumenkohl mag. Und dann auch noch mit langweiligen Kartoffeln. Ich habe so großen Hunger, und jetzt nicht einmal was Anständiges zu essen…Das esse ich jedenfalls nicht, das kannst Du gleich wieder abräumen!“

Welche Mutter, welcher Vater kennt das nicht: nörgelnde Kinder am Mittagstisch, nicht aufgegessene oder vielleicht sogar entsorgte Pausenbrote, der heimliche Gang in die Speisekammer immer auf der Suche nach etwas Süßem. Hinzu kommt noch das eigene schlechte Gewissen, weil die Kinder wieder kein Gemüse bekommen. Diese Litanei lässt sich schier endlos fortsetzen.

Die gemeinsame Mahlzeit, die eigentlich etwas Besonderes, Schönes sein sollte in unserem von Hetze geprägten Arbeitsalltag artet immer mehr in Stress und Verzweiflung aus. Da empfehlen die Experten 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag und die Kinder verziehen angewidert das Gesicht.

Da hilft auch das Versprechen vom Sonnenschein am nächsten Tag nicht. Auch der Bissen für Oma, Opa, Onkel Klaus und Tante Inge ist sicherlich nicht die Methode, Kinder für eine abwechslungsreiche, gesunde Mischkost zu begeistern.

Kinder lernen am Modell. Nichts ist überzeugender und wirkt nachhaltiger als das Vorbild der Eltern oder Großeltern.

Auch wenn ein Kind anfangs bestimmte Nahrungsmittel ablehnt, sollte es durchaus immer wieder mal zum Probieren animiert werden. Geschmack will auch gelernt werden. Aber Vorsicht mit Kritik. Wenn man immer wieder auf die Nörgelleien der Kinder eingeht, merken diese schnell, dass sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und damit im Mittelpunkt stehen. Die beste Strategie ist, den Focus nicht auf das merkende Kind zu lenken. Umgekehrt sollte man nicht mit Lob sparen, wenn das Kind etwas probiert, was ihm doch eigentlich nicht schmeckt. Dadurch bekommt der Sprössling nicht nur Aufmerksamkeit, sondern gleichzeitig noch Lob und Anerkennung.

Lebensmittel sind keine Trostpflaster

Auf gar keinen Fall sollten Essen oder bestimmte Nahrungsmittel als Erziehungsmittel verstanden werden:
Lebensmittel dürfen weder als Trost noch Strafe eingesetzt werden.

Schokolade, Gummibärchen oder Eis eignen sich zwar sehr gut als Trösterchen, weil sie schnell wirken, aber Kinder, die immer wieder mit Süßigkeiten belohnt werden, verinnerlichen dies und neigen auch als Erwachsene dazu, Frust oder Spannungen mit Essen zu kompensieren. Der Kummerspeck im Alter wird möglicherweise schon im Kindesalter vorprogrammiert.

In der Kindheit wird der Grundstein für die körperliche und geistige Entwicklung gelegt. Und durch den Erziehungsstil beeinflussen wir als Eltern ganz wesentlich das spätere Ernährungsverhalten unserer Kinder.

Eltern kümmern sich um Lebensmittelmenge und –vielfalt. Vater und Mutter leben das gewünschte oder auch unerwünschte Ernährungsverhalten vor.

Die Sprichwörter: „Wie der Vater so der Sohn“ oder „Was der Bauer nicht kennt…“ haben besonders, wenn es um Essgewohnheiten geht, ihre uneingeschränkte Berechtigung. Verschmähen Mütter und Väter Obst und Gemüse, sollten sie keine Hoffnung haben, dass die Kinder jeden Tag nach einem Salat- oder Obstteller verlangen. Kinder lernen am Modell. Nichts ist überzeugender und wirkt nachhaltiger als das Vorbild der Eltern.

Jeder von uns erinnert sich sicher an bestimmte Speisen, die früher „bäh“ und heute zu den Lieblingsspeisen gehören. Gemüse wie Spargel, Rosenkohl oder auch Spinat stehen dabei bei Vielen ganz oben auf der Liste.

Wenig hilfreich sind gute gemeinte Ratschläge wie z.B. „Das ist gut für die Gesundheit“ oder „Bonbons fördern Karies“. Ein Kind kann mit solchen Ratschlägen wenig anfangen. Es hat möglicherweise schon Tüten von Gummibärchen verzehrt, und die Zähne habe immer noch keine Löcher.

Im Erwachsenenalter ist es doch auch nicht anders. Die meisten wissen recht gut Bescheid über so genannte gesunde und ungesunde Lebensmittel, aber die Zahl der ernährungsbedingten Erkrankungen nimmt stetig zu.

Es ist verboten, etwas zu verbieten

Wir zwingen uns oder werden als Kind gezwungen, das Gesunde zu essen und träumen insgeheim von der fetten Bratwurst oder dem dicken Eisbecher mit Schokosoße.

Verzichten Sie, wenn es um das Ernährungsverhalten der Kinder geht, auf Verbote. Verbote oder später im Erwachsenalter die rigorosen Vorsätze wie: ab morgen esse ich keine Schokolade mehr, sind zum Scheitern verurteilt. Die Gedanken kreisen permanent um das verbotene Lebensmittel und irgendwann wird man schwach. Der Erwachsene holt sich heimlich die Schokolade aus dem Vorrat, die Kinder opfern ihr Taschengeld, nur um die Lust und Sehnsucht nach dem verbotenen Lebensmittel zu befriedigen.

Kindern, die die häusliche Verpflegung immer nur unter dem Gesundheitsaspekt kennen lernen, neigen sehr oft im jugendlichen Alter zu einer unstillbaren Aufholjagd. „Jetzt kann die Mutter mir nichts mehr vorschreiben, jetzt entscheide ich. Und wenn ich jeden Tag Pommes und Schokoriegel will, dann werde ich sie mir gönnen“.

Das Essen sollte von Beginn an nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch Genuss sein. Und die ungesunde Leckerei gehört hin und wieder zum Genuss einfach dazu.

Das richtige Essverhalten für Kinder

Was und wie viel sollen Kinder essen?

Als „Treibstoff“ braucht unser Körper zunächst einmal Energie in Form von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen. Den Energiebedarf messen wir in kcal. Dieser Bedarf ist bei Erwachsenen sowie auch bei Kindern individuell sehr unterschiedlich. Er ist bei Kindern abhängig vom Entwicklungsstadium, vom Körperbau aber ganz entscheidend auch vom Bewegungsdrang der Sprösslinge. Ein Kind, das seine Freizeit mehr oder weniger vor dem PV oder Fernseher verbringt, hat einen deutlich niedrigeren Bedarf, als das Kind, das sich den ganzen Tag auf dem Bolzplatz verausgabt.

Egal ob erwachsen, noch Kind oder Jugendlicher: der Energiebedarf ist die Summe aus Ruheumsatz und Leistungsumsatz. Das heißt, je mehr unsere Kinder in Bewegung sind, desto mehr Energie setzen sie frei.

Nährstoffdichte heißt das Zauberwort

Eine Tüte Fruchtgummi, die Flasche Limonade oder auch die heiß geliebten Nussnougatcremes haben eine sehr hohe Energiedichte aber praktisch keine oder nur sehr wenig Nährstoffe. Aber gerade der wachsende junge Organismus braucht Nährstoffe für die gesunde Entwicklung.

Obst, Gemüse, Vollkorngetreide haben zwar eine niedrigere Energiedichte, aber durch den hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und Pflanzenstoffen eine hohe Nährstoffdichte. Der Energiebedarf der Kinder ist gemessen an der Größe und auch am Alter recht hoch. Manche Mutter ist sicherlich erstaunt, dass die 11jährige Tochter ebenso viel Energie benötigt wie sie selber und der 14jährige Sohn sogar deutlich mehr. Hier liegt der Unterschied zu den ausgewachsenen bzw. älteren Menschen. Während beim älteren Menschen viele Nährstoffe in einer geringeren Nahrungsmenge untergebracht werden müssen, darf beim Heranwachsenden schon eher mal eine Mahlzeit nur oder überwiegend aus Kalorien bestehen. Nährstoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Vollkorngetreide, gutes Fleisch und Milchprodukte sind in der Kinderkost lebensnotwendig, aber in der ausgewogenen Kost können die Lieblingsgerichte wie Hamburger, Schokolade… durchaus untergebracht werden.

Geduld

Kinder haben immer wieder Phasen, in denen sie bestimmte Lebensmittel oder auch ganze Lebensmittelgruppen, z.B. Obst oder Gemüse schlichtweg ablehnen. Solche Phasen sind jedoch völlig normal und nicht besorgniserregend. Solange ein Kind einen gesunden Eindruck macht, lacht, spielt und tobt sollte man als Eltern eher gelassen reagieren, kein Kind wird freiwillig verhungern. Über kurz oder lang holen sich die Kinder die Nährstoffe, die sie brauchen. Das Angebot von Obst und Gemüse sollte allerdings bei jeder Mahlzeit da sein. Aber die Kinder entscheiden selber, was sie essen und auch wie viel sie essen.

Struktur schaffen und Neugierde wecken

Um die Grundlagen für ein gesundes Essverhalten zu legen, reichen Empfehlungen über die richtige Nahrungszusammensetzung allein nicht aus. Regelmäßige Mahlzeiten, wie auch Schul- und Spielzeiten geben dem Tagesablauf der Kinder eine Struktur. Und zumindest eine gemeinsame Mahlzeit am Familientisch ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Wenn alle Familienmitglieder mit allen Sinnen am gemeinsamen Mahl teilnehmen, ist das Essen auch Futter für die Seele. Die gemeinsame Zeit schafft darüber hinaus die Möglichkeit, Neugierde beim nörgelnden Kind zu wecken.

Da sagt zum Beispiel der große Bruder zum Papa: “Du, Papa, probiere mal den Gurkensalat. Mama hat die Gurken in ganz dünne Streifen geschnitten. Die sehen aus wie Spaghetti. Das schmeckt super gut!“ Der Papa greift den Faden auf und erwidert: „Tatsächlich, Du hast recht. Echt lecker. Die Streifen schmecken irgendwie anders als die normalen Gurkenscheiben.“ Und schon hebt die mäkelige Nina den Kopf. Wenn sie mitreden will, muss sie kosten. Vielleicht nicht gleich heute, aber wenn die Mama diese Gurkenspaghetti nochmal auf den Tisch bringt und alle begeistert sind, will sie auch wissen, ob das wirklich stimmt. Und dann verfeinert der große Bruder Max sein Blumenkohlröschen auch noch mit ein wenig Ketchup. Das sieht schon sehr verlockend aus.

Für ein gutes und entspanntes Essen am Familientisch müssen wir und die Kinder etwas Kostbares investieren – Zeit. Aber diese Zeit ist nicht vergeudet, sondern in dieser Zeit erfahren wir ein hohes Maß an Lebensfreude und das wird auch das jüngste Mitglied der Familie sehr schnell spüren und schätzen lernen.

In diesem Sinne: „Kosten wir sie aus, die Familienzeit am Esstisch“

Weitere Tipps und Infos zum Thema Ernährung finden Sie in unserem GEFRO Shop in unseren Ernährungstipps oder in unseren GEFRO Journalen.

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