Gicht – Was kann der Betroffene tun?

Der erste Gichtanfall kommt in der Regel aus heiterem Himmel – meistens in der Nacht. Ich habe es selber im Bekanntenkreis erlebt.

Stefan um die vierzig, Pianist von Beruf, normale Statur, Fleischliebhaber. Er war zu einer Hochzeitsfeier eingeladen. Das Essen schmeckte ihm köstlich: Rouladen, deftiger Schweinebraten und zu später Stunde noch herrlichen geräucherten Fisch am Mitternachtsbüffet. Stefan hat das Tanzbein geschwungen. Und weil es im Saal sehr warm war, stillte er seinen Durst zwischen den Tanzrunden mit einem kühlen Bier.

Und diese Kombination aus purinreichem Essen und Bier hat dann das Fass zum Überlaufen gebracht. Stefan wurde nach wenigen Stunden Schlaf durch rasende Schmerzen im Daumengrundgelenk geweckt. Das Gelenk war heiß, rot und geschwollen. Wie Stiche durch Nadeln, so stechend war der Schmerz.

Die Diagnose war durch den Hausarzt schnell gestellt: ein akuter Gichtanfall. Und das auch noch in der Hand. Wie sollte Stefan damit Klavierspielen? Er wurde zunächst mit Medikamenten versorgt. Gleichzeitig stellte er seine Ernährung um.

Warum erkrankte gerade Stefan?

Bei Stefan war es wahrscheinlich die genetische Prädisposition. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die meisten Gichtpatienten eine erbliche Veranlagung für einen chronisch erhöhten Harnsäurespiegel haben. Der Stoffwechsel dieser Patienten bildet überdurchschnittlich viel Harnsäure oder scheidet über die Nieren zu wenig Harnsäure aus. Die genetische Veranlagung ist nicht beeinflussbar. Es gibt aber eine Reihe von Risikofaktoren, die sehr wohl beeinflussbar sind und letztlich alle mit dem Lebensstil zusammenhängen:

Risikofaktor: Übergewicht

Nahrungsmittel im Überfluss und zu jeder Zeit verfügbar, Techniken und Hilfsmittel, die uns körperliche Arbeit erleichtern oder ersparen, das sind heute unsere Lebensbedingungen. Zwar angenehm, aber auf Dauer für die Gesundheit nicht fruchtbar. Hyperkalorische Nahrung, zu wenig Bewegung: Das Risiko für die Entstehung von Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Gicht steigt. Man weiß heute, dass Übergewicht den Harnsäurewert zusätzlich ansteigen lässt. Das heißt, neben der Umstellung auf eine harnsäurearme Ernährung sollte der von Übergewicht geplagte Gichtpatient zusätzlich sein Körpergewicht reduzieren.

Hilfreiche Tipps zum Thema Abnehmen finden Sie in einem älteren Journal: https://www.gefro.de/blaetterkatalog/index.php?catalog=Journal_20#page_1

Das Abnehmen sollte unbedingt langsam, in kleinen Schritten erfolgen. Das Einschmelzen von Körperfettzellen setzt Purine frei. Der Gichtpatient sollte daher auf Fastenkuren oder Crashdiäten verzichten.

Stefan war nicht übergewichtig. Aber er hatte die genetische Veranlagung, vielleicht schon lange einen erhöhten Harnsäurewert. Das purinreiche Essen und Trinken war dann der berühmte Tropfen, der den Anfall auslöste.

Risikofaktor: Alkoholkonsum

Alkoholhaltige Getränke sollten nur in geringen Mengen getrunken oder ganz weggelassen werden. Alkohol steigert die Harnsäurebildung in der Leber und hemmt gleichzeitig die Harnsäureausscheidung über die Nieren. Besonders kritisch ist der Genuss von Bier. Purine aus der Bierhefe erhöhen den Harnsäurespiegel zusätzlich. Umsteigen auf alkoholfreies Bier ist keine Alternative, denn das alkoholfreie Bier enthält ebenso Purine. Manche alkoholfreien Biere enthalten sogar deutlich mehr Purin als normales Bier.

Risikofaktor: Purinreiche Ernährung

Eine zu hohe Zufuhr purinreicher Kost, die fleisch- und fischlastig ist, der häufige Verzehr von Innereien lassen den Harnsäurespiegel immer weiter ansteigen. Es gilt also, die Ernährung umzustellen, den Lebensstil zu verändern. Stefan ist den Weg gegangen und hat keinen weiteren Gichtanfall erleben müssen. Und seine Finger laufen wie früher über die Klaviertasten.

Genussvoll essen bei Gicht

Ist der Harnsäurespiegel im Blut erhöht oder sogar der erste Gichtanfall überstanden, läuten die Alarmglocken und die persönliche Ernährungsweise muss unter die Lupe genommen werden. Wo sind die Purinbomben in der Kost? Wieviel Bier wird getrunken?

Ich bin persönlich kein großer Fan von Listen und Tabellen, es kann aber am Anfang der Ernährungsumstellung hilfreich sein, mit einer Tabelle zu arbeiten, um ein Gefühl für Puringehalte verschiedener Nahrungsmittel zu bekommen. Harnsäure entsteht beim Abbau der Purine im Stoffwechselprozess. Aus 1 mg Purin werden dabei 2,4 mg Harnsäure gebildet. Die Deutsche Gicht–Liga e.V. empfiehlt, die tägliche Harnsäuremenge auf max. 400 mg zu beschränken, um erhöhte Harnsäurewerte oder die Progression der Gicht zu vermeiden.

Auf ihrer Internetseite bietet die Deutsche Gicht-Liga e.V. einen Purinrechner an (auch für mobile Endgeräte als App verfügbar). Gerne gebe ich den entsprechenden Link auf die Seite weiter: https://www.gichtliga.de/purinrechner.html

Mit diesem Rechner gelingt es sehr schnell, die purinreichen Lebensmittel in der eigenen täglichen Kost aufzuspüren und Änderungen einzuleiten.

Wenn das Gefühl für Puringehalte sich eingestellt hat, reicht es aus, Nahrungsmittel gedanklich in drei Rubriken einzuteilen:

Genießen – sparsam verzehren – vermeiden

  • Genießen

Bunt essen, im Sinne von, was die Natur uns bietet. Gerade der Gichtpatient sollte Farbe auf den Tisch bringen. Gemüse, Obst oder Salat passen zu jeder Mahlzeit. Zur Brotzeit frischen Rettich, Tomaten, Radieschen oder Gurken, zum Frühstück ein Gläschen Gemüse- oder Obstsaftsaft, zum Mittagstisch einen frischen Salat – klingt das nicht verlockend? Jedes Obst, jedes Gemüse liefert einen natürlichen Verbund aus Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen und ist damit ein wahrer Schutzschild für die Gesundheit.

Amerikanische Studien haben bewiesen, dass auch purinhaltige Gemüsesorten wie Spargel oder Hülsenfrüchte keinen negativen Einfluss auf den Harnsäurespiegel haben. Und dann ist ja auch immer die Frage, womit diese Gemüse kombiniert werden. Vielleicht ist ja eine Erbsensuppe ohne geräucherten Bauchspeck und ein Spargelgericht ohne Bratwürstchen auch ein kulinarischer Höhepunkt.

Eier, Milch und Milchprodukte dürfen ebenfalls auf dem Speiseplan stehen. Sie enthalten wenig bis gar keine Purine.

Die Harnsäure wird über die Nieren ausgeschieden. Daher sollte das Lieblingsgetränk eines Jeden Wasser sein, ein reines Quellwasser, stilles Wasser oder auch ein spritziges Mineralwasser. Mehr als die Hälfte unseres Körpers besteht aus Wasser, kein Wunder also, dass unser Körper so sehr auf das frische Nass angewiesen ist. Nur mit Hilfe von Wasser können unsere Zellen ihre Aufgaben wirklich gut erfüllen. Wasser sorgt dafür, Nährstoffe effektiv aufzunehmen und zu verwerten, sowie unsere Nieren von Abfallstoffen – und Harnsäure gehört dazu – zu befreien. Wasser kann man mit frischen Kräutern, einem Spritzer Zitronen- oder Limettensaft oder auch Ingwer wunderbar aromatisieren. Neben Wasser darf der Gichtpatient auch Kräuter- und Früchtetees trinken. Sogar Kaffee ist erlaubt. Übrigens alle aufgeführten Nahrungsmittel in dieser ersten Rubrik stehen für eine ovo-lacto-vegetabile Kost, die Ernährungsform, die jedem Gichtpatienten empfohlen wird.

  • Sparsam verzehren

Auch, wenn dieovo-lacto-vegetabile Kost empfehlenswert ist, darf es für den Gichtpatienten auch Ausnahmen geben. Einmal täglich eine kleine Portion (ca.100g) Fleisch, Geflügel oder Fisch ist erlaubt. Bei Fisch sollte der Gichtpatient die mageren Sorten wie Scholle, Seezunge oder Kabeljau wählen. Diese enthalten deutlich weniger Purine als die Fettfische und sie machen auch auf dem Grill eine gute Figur.

Entfernt man vom Brathähnchen die Haut, darf es auch mal ein Grillhähnchen sein. Durchforsten Sie das Internet nach purinarmen Rezepten. Sie werden über die Vielfalt staunen. Gicht oder auch nur erhöhte Harnsäurespiegel erfordern Kreativität beim Kochen. Lassen Sie sich inspirieren.

Neben dem Fleisch- und Fischkonsum sollte der Verzehr von Fruchtzucker (Fructose) eingeschränkt werden. Keine Angst, auf Obst muss der Gichtpatient nicht verzichten. Die Vorteile der obstreichen Ernährung überwiegen deren Nachteile bei Gicht. Aber Achtung bei Süßigkeiten, Joghurts, Müsliriegeln, Softdrinks und Limonaden. Diese werden häufig mir Fruchtzucker oder Fructosesirup angereichert. Ein Blick auf die Zutatenliste ist also sinnvoll. Fructose selbst enthält zwar keine Purine, es ist ja ein reiner Zucker. Aber Fruchtzucker wird in der Leber verstoffwechselt und dabei entstehen über verschiedene Zwischenschritte Purine, die zu Harnsäure abgebaut werden. Aber nicht nur der Harnsäurespiegel steigt bei übermäßigem Verzehr von Fructose. Fructose fördert die Entwicklung von Übergewicht und einer Fettleber.

Neben Fructose erhöhen auch die Zuckeraustauschstoffe Xylit und Sorbit den Harnsäurewert. Auch hier hilft nur der Blick in die Zutatenliste.

  • Vermeiden

Die Liste an erlaubten Nahrungsmitteln und denen, die sparsam gegessen werden sollten, ist lang und machen hoffentlich jedem von der Gicht geplagten Leser Mut. Aber ein paar Verbote müssen dennoch erwähnt werden.

An erster Stelle stehen hier Innereien (Leber, Kalbsbries, Nieren…). Da werden auch bei kleinen Portionsgrößen die Grenzwerte von 400 mg Harnsäure schnell überschritten. Fette Fische, wie Ölsardinen, Sprotten, Sardellen, Hering und Krustentiere sollten ebenfalls vom Speiseplan gestrichen werden.

Meiden sollte der Gichtpatient ein Zuviel an Hefe, Hefeextrakt oder Nährhefe. Vegetarische Brotaufstriche oder Fleischersatzprodukte auf der Basis von Nährhefe oder Hefeflocken zum Würzen sind für Gichtpatienten nicht geeignet.

Anmerkung zur Verwendung von Hefeextrakt speziell bei den GEFRO-Produkten:

Auch in den Produktlinien von GEFRO wird in verschiedenen Rezepturen Hefeextrakt eingesetzt. Der Gehalt ist aber sehr gering, so dass im fertigen Gericht der Gehalt an Purinen vernachlässigbar niedrig ist. Eine Ausnahme bilden hier die Brotaufstriche.

Und abschließend nochmal der Hinweis auf Kochbücher oder Internetseiten. Stöbern Sie nach neuen Rezepten, denn eine Ernährungsumstellung gelingt nur, wenn es schmeckt. Setzen Sie sich das Ziel, dauerhaft purinarm zu genießen.

Weitere Tipps und Infos zum Thema Ernährung finden Sie in unserem GEFRO Shop in unseren Ernährungstipps oder in unseren GEFRO Journalen.

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4 Gedanken zu „Gicht – Was kann der Betroffene tun?“

  1. Wolfgang Adrian sagt:

    Liebes GEFRO Team
    ich sage Euch ein großes Dankeschön
    Mehrmals im Krankenhaus und durch Zufall von Ihrem Produkt erfahren
    Mir geht seit dem GUT nein es geht mir BESSER!!
    „DANKE“

    Ps.: Es bereitet uns immer wieder eine Freude für meine Frau und für mich eine neue Bestellung aufzugeben.
    Sie sind alle sehr freundlich
    das ist heutzutage sehr selte
    sonnige Grüße aus dem Norden

    Bitte machen sie weiter so!!!!!!!

    1. Simone Kuisle sagt:

      Guten Tag lieber Herr Adrian, vielen Dank für Ihren tollen Kommentar. Wir haben uns sehr über Ihre Worte gefreut. Sehr gerne geben wir das dem gesamten Team weiter. Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und einen tollen Tag. Viele Grüße aus Memmingen, Ihr GEFRO-TEam

  2. Wolfgang Adrian sagt:

    Meine Frau und ich sind begeistert
    Ihr seit ein nettes Team

    Großes „DANKE“ und

    sonnige Grüße aus dem Norden

    PS. Mir geht jetzt gesundheitlich einfach besser

    1. Simone Kuisle sagt:

      Lieber Herr Adrian, vielen Dank nochmal für das tolle Feedback. Wir freuen uns von Ihnen zu hören und wünschen Ihnen noch eine schöne Woche. Viele liebe Grüße aus Memmingen, Ihr GEFRO-Team

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