Fest-bewusst genießen

Lecker zum Nachkochen: Das Rezept und nähere Details finden Sie in unserem Online-Journal unter:
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Es ist wieder soweit. Die Weihnachtszeit steht vor der Tür. Der Adventskalender ist gefüllt, Wohnungen und Häuser liebevoll geschmückt, Weihnachtsfeiern mit üppigen Menüs stehen an, an vielen Arbeitsplätzen locken prall gefüllte Schalen mit selbstgebackenen Plätzchen. Aber der Dezember führt nicht nur Naschkatzen ständig in Versuchung. Auch Menschen, die es deftig mögen, werden allerorten von köstlichen Kalorienbomben verführt. Gänsebraten, Fondue und Raclette – in der Weihnachtszeit wird ordentlich aufgetischt. Leckermäuler haben es schwer in dieser Zeit und für viele kommt nach dem Fest beim Blick auf die Waage das böse Erwachen.

Tipps, wie man gesund und ohne Gewichtszunahme über die Festzeit kommt, gibt es viele. Ich habe mir Gedanken gemacht, welche Empfehlung ich selbst geben kann und beschränke mich auf einen einzigen Satz, den ich in diesem Artikel mit Leben füllen möchte.

Meine Empfehlung lautet:

Essen Sie achtsam

Die Voraussetzung für achtsames Essen ist, mit allen Sinnen gewärtig zu sein und zwischen dem physischen und emotionalen Hunger zu unterscheiden.

Der körperliche Hunger kommt langsam und macht sich schließlich durch Magenknurren bemerkbar.

Der emotionale Hunger dagegen tritt spontan auf und will sofort befriedigt werden. Wut, Langeweile, Liebeskummer, Stress, Einsamkeit, Trauer, Unzufriedenheit und auch strenge Diäten oder Verbote können den emotionalen Hunger auslösen. Der emotionale Hunger ist letztlich die Sehnsucht nach guten Gefühlen, wie Nähe, Geborgenheit, Freude, Erholung, usw. Der starke Drang zu essen entspringt nicht unserem Körper sondern unserer Seele. Schon ein altes Sprichwort sagt: “Wenn die Seele hungert, frisst der Leib“. Nur wenn körperlicher Hunger nicht der Grund ist, kann das Essen nicht die Lösung sein. Das Essen wird nicht die emotionale Erfüllung bringen.

Gerade die Weihnachtszeit mit den unzähligen Verführungen ist schon für den normal Essenden eine Herausforderung, für den emotionalen Esser dagegen ist diese Zeit eine Leidenszeit. Kein Lebkuchen, Dominostein, Zimtstern oder Gänsebraten kann den emotionalen Hunger stillen. Wir erfahren vielleicht einen kurzen Moment der Entspannung, aber der emotionale Hunger kommt mit Macht zurück, vielleicht sogar gepaart mit einem schlechten Gewissen, das wiederum selbst ein Auslöser für die nächste Essattacke sein kann.

Um die tiefliegenden Ursachen für den emotionalen Hunger zu erkennen, braucht es möglicherweise die Unterstützung eines erfahrenen Therapeuten. Den ersten Schritt für die Detektivarbeit jedoch kann jeder selbst setzen, indem er Achtsamkeit übt. Sich selbst beobachten, in sich hineinspüren, das Bewusstsein ganz auf das Hier und Jetzt lenken. Und warum nicht beim Essen damit beginnen?

Ein paar Bissen Toast morgens im Bad, oder die Frühstücksschnitte im Auto auf dem Weg zur Arbeit, die Kekse und Süßigkeiten neben dem Rechner, den Döner oder das Brötchen am Mittag zwischen zwei Terminen und die Chipstüte vor dem Fernseher. Wie oft stillen wir unseren Hunger einfach im Vorübergehen, beim Einkaufen oder auf dem Gehweg? Wenn wir beim Essen nicht wirklich bei der Sache sind, ist es schlichtweg unachtsam.

 

Achtsames Essen verlangt, mit allen Sinnen da zu sein.

Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten – das sind die klassischen fünf Sinne des Menschen.

Liebe Leser, ich lade Sie jetzt ein, mit mir zusammen einer Einladung zu einem vorweihnachtlichen Abendessen zu folgen.

 

Die Sinne öffnen

Wir klingeln an der Haustür, die Gastgeberin begrüßt uns herzlich und führt uns ins Esszimmer. Die anderen Gäste sind schon da, ein illustrer Kreis von sechs Personen. Wir werden einander vorgestellt und an den Tisch geführt.
Selbstverständlich ist unsere Aufmerksamkeit zunächst einmal bei den anwesenden Gästen. Wir sehen Frauen und Männer unterschiedlicher Statur. Vielleicht fallen ein elegantes Kleid, ein farbenfrohes Hemd, strahlend blaue Augen, eine extravagante Brille oder aber sinnlich geschminkte Lippen sofort ins Auge. Wenn der Sinn für das Sehen aber wirklich offen ist, nimmt man vielleicht auch eine Traurigkeit in den Augen des einen oder das gewinnende Lächeln in einem anderen Augenpaar wahr. Empfindungen von Sympathie und Antipathie werden geweckt. Über die Nase nehmen wir den blumigen Duft eines Parfüms auf, und über unsere Hände ertasten wir die Zartheit der Finger der Dame neben uns und die schwielige Hand des Herrn an ihrer Seite. Das Ohr übermittelt uns die unterschiedlichen Stimmfarben der Gäste.

Der Gastgeber reicht einen Aperitif, einen Perlwein. Kleine tanzende Bläschen, die im kühlen Glas langsam hochsteigen und auf der Zunge ein feines Kribbeln auslösen. Im Geschmack ist der Secco ausgewogen und harmonisch. Wir nehmen unseren Platz am rustikalen Holztisch ein und lenken unser Sehen auf die Dekoration. Auf dem Holztisch sind Teller aus feinem cremefarbenen Porzellan zu einem Dreigang-Gedeck zusammengestellt. Schlicht gefaltete Leinenservietten, schöne, langstielige Gläser sowie ein Blumenarrangement runden das Bild ab.

 

Das Menü – Ein Fest für alle Sinne

Das Auge isst mit

Bei der Vorspeise, Feldsalat mit Bratapfelscheiben und karamellisierten Nüssen, beeindrucken sicherlich zuerst die schönen Farben, das zarte Rot der mit gegrilltem Speck ummantelten Apfelviertel, das weiche Gelb der Aprikosenstücke und das dunkle Grün vom Feldsalat. Der Salat ist liebevoll angerichtet, ein Blickfang für unser Auge. Wenn wir uns Zeit lassen und genau hinschauen, kann man aber noch mehr entdecken. Sind die Salatblätter frisch oder schon etwas welk? Wie ist der Röstgrad der karamellisierten Nüsse? Goldbraun oder eher zu dunkel? Hat die Köchin nur eine Nusssorte oder eine Nussmischung verwendet?

Der Teller mit der Hauptspeise, Gänsekeule mit Glühweinsoße und Cranberry-Rotkohl, wirkt einladend und appetitanregend. Die Farbzusammenstellung ist wunderschön. Die Gänsekeule mit goldbrauner Haut ist in der Mitte des Tellers platziert, daneben sind die Beilagen angerichtet. Die Komponenten sind nicht vermischt und alle gut zu erkennen. Die Nachspeise, Honig-Spekulatiusschmarrn mit Preiselbeerkompott wird wie die anderen Speisen auf einem großen Essteller serviert. Auch hier sind die einzelnen Komponenten: Preiselbeeren, der fluffige, goldgelbe Schmarrn und Mandelblättchen deutlich erkennbar. Als zusätzliche Farbtupfer fallen weißer Puderzuckerstaub und Minzeblättchen sofort ins Auge. Mit dem Auge nicht erkennbar ist das Geheimnis des Schmarrn. Dieses Überraschungsmoment bleibt dem Gaumen vorbehalten.

 

Freude für den Gaumen

Der fruchtige, süßsaure Geschmack der Äpfel in Kombination mit dem würzigen Speck ist ein sehr interessanter Appetizer. Datteln im Speckmantel sind bekannt, aber marinierter Apfel mit Speck ist schon eine besondere Leckerei. Endivien- und Feldsalat überzeugen mit knackigem Biss und einem würzigen Geschmack. Das Aprikosenaroma verleiht dem Salat eine zusätzliche, fruchtige Note. Wie ist der Geschmack der karamellisierten Nüsse? Ist der Eigengeschmack von Walnüssen und Cashewkernen unter der süßen Zuckerschicht noch deutlich zu erschmecken?

Als die Gänsekeule serviert wird, steigt sofort das leichte Röstaroma auf. Das Fleisch ist saftig, im Geschmack etwas intensiver als Entenfleisch und Freunde einer knusprigen Haut kommen ganz auf ihre Kosten.

Schmecken Sie den Glühwein mit einer leichten Note von Zimt, Nelken und Kardamom in der Soße? Das säuerliche Cranberry – Blaukraut ist raffiniert im Geschmack und eine passende Ergänzung zum Fleisch. Die feinherben Beeren
harmonieren aufs Beste mit dem Rotkohl.

Das Überraschungsmoment für die Zunge ist wahrscheinlich der gefüllte Bratapfel. Die Köchin verrät zunächst nicht was sich hinter der Füllung verbirgt. Die Gäste probieren ganz vorsichtig: es ist Marzipan, ein Marzipanbratapfel. Der Klassiker der winterlichen Küche mal nicht als Nachtisch sondern als Beilage serviert, ein superleckere Variante. Als dann die Gastgeber erzählen, dass sie die Gänsekeulen von einem heimischen Bauern als Frischware bekommen haben und sowohl Rotkohl als auch Äpfel aus dem eigenen Garten sind, wird der Genuss noch einmal gesteigert.

Der zum Essen servierte rubinrote Spätburgunder aus fränkischem Anbaugebiet ist samtig, weich und vollmundig mit einem feinen Aroma von Brombeeren und Bittermandel.

Der Honig-Spekulatiusschmarrn mit Preiselbeerkompott bildet den süßen kulinarischen Abschluss. Nehmen Sie zuerst nur ein Stückchen vom Schmarrn. Welche Gewürze kitzeln den Gaumen: Zimt, Nelken, Ingwer, Muskatnuss, Piment, Kardamom? Die Gäste schauen fragend und bitten die Gastgeber, das Geheimnis zu lüften. In dem Schmarrn sind zerbröselte Spekulatius und zusammen mit dem Preiselbeerkompott geht er eine wunderbare Verbindung ein.

 

Mit der Nase schmecken

Auf der Zunge haben wir lediglich die Geschmacksknospen für salzig, sauer, süß, bitter und herzhaft. Unsere Nase ist weit mehr als unsere Zunge dafür verantwortlich, dass wir die vielfältigen Geschmacksnuancen von Speisen wahrnehmen. In der Nase befinden sich Millionen Riechzellen. Aroma-Moleküle dringen über die Mundhöhle in die Nase und lösen dort Impulse aus, die an das Gehirn weitergeleitet werden – wir riechen sozusagen unser Essen. Wissenschaftler schätzen, dass rund 90 Prozent der Sinneseindrücke während eines guten Essens nicht auf der Zunge entstehen, sondern ausschließlich von Geruchssignalen kommen.

Der Weinliebhaber schwenkt den Wein vor dem ersten Schluck langsam im Glas, damit sich das Aroma des Weines optimal entfalten und er die unterschiedlichen Geschmackseinflüsse (Beeren, Pfirsich, Zimt …) über die Nase wahrnehmen kann. Sicherlich ist es nicht schicklich, an jedem Bissen erst einmal zu schnuppern. Es erweckt vielleicht den Eindruck, dass man prüft, ob sich etwas Verdorbenes im Essen verbirgt. Aber langsames Essen und gründliches Kauen erhöht das Geschmackserlebnis und stärkt die Wahrnehmung über die Nase. Möglicherweise sind Sie überrascht, wieviel verschiedene Nuancen Sie wahrnehmen, wenn Sie sich auf den einzelnen Bissen konzentrieren.

 

Auch Hörsinn und Tastsinn essen mit

Was uns möglicherweise gar nicht so bewusst ist, auch das Hören spielt beim Essen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wir hören nicht nur ob der Magen knurrt oder jemand schmatzt. Unser Ohr sorgt dafür, dass wir hören, ob der Salat knackfrisch ist und die Haut der Gänsekeule noch knuspert. Das Tasten findet beim Essen sowohl mit den Händen, als auch über die Mundschleimhaut und die Zunge statt. Gelingt es, mit der Zunge einzelne Beeren im Rotkraut zu ertasten? Nehmen Sie die zarte Faserstruktur des Bratens mit der Zunge wahr?

 

Genießen tut der Seele gut

An erster Stelle stehen die Freude und das Lachen. Die Unterhaltung ist angeregt. Der eine oder andere Gast erzählt eine kleine Anekdote oder auch einen Witz. Lachen entspannt, baut Stress ab und setzt Glückhormone frei. Vielleicht haben Sie sich tagsüber geärgert: das Lachen stoppt die Spirale der negativen Gedanken.

Die Gäste loben das wunderbare Menü, dadurch erfahren die Gastgeber Achtung und Wertschätzung.

Ihre Tischnachbarin erzählt Ihnen, dass sie eine Betreuung für ihre pflegebedürftige Mutter organisieren musste, um die Einladung annehmen zu können. Wenn sie achtsam sind und mit offenem Herzen hören, werden Sie erkennen, welche Gefühle bei der Tischnachbarin mitschwingen, die sich in diesem Augenblick von Ihnen wahrgenommen und verstanden fühlt.

Vielleicht erzählt ein anderer Gast von einem Tandemfallschirmsprung, den er gewagt hat oder eine Dame berichtet, dass sie im Alter von 45 Jahren noch einmal eine Ausbildung macht, um sich einen langjährigen Berufswunsch zu erfüllen. Die Zuhörer bringen den beiden Respekt und Bewunderung entgegen. Ein gemeinsames Essen, egal ob im Freundeskreis oder in der Familie macht uns nicht nur satt, sondern stillt weitere Bedürfnisse, z.B. nach Gemeinschaft, Nähe, Gespräch und Verstehen.

Und was nicht vergessen werden sollte: genießen geht auch allein: allein an einem schön gedeckten Tisch zuhause oder im Restaurant. Genießen ohne reden, ohne Zeitung, Fernseher und ohne Handy. Ein Essen allein, nur mit sich selbst, mit der eigenen Wertschätzung und Selbstliebe.

Achtsames Essen bringt Ruheinseln in den Alltag, entschleunigt und macht den Kopf frei. Und wenn wir alleine essen, bringt Achtsamkeit den Blick nach innen: welche Gedanken und Emotionen tauchen auf? Wie merke ich, dass ich satt bin?

Ich wünsche Ihnen, liebe Leser, eine Vorweihnachtszeit mit ganz vielen achtsamen Momenten.

 

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5 Gedanken zu „Fest-bewusst genießen“

  1. Klaus sagt:

    Achtsamkeit – jetzt also auch beim Essen!? Schön und gut aber meiner Meinung nach, wird dieser Begriff „Achtsamkeit“ schon viel zu lange inflationär in allen möglichen Zusammenhängen genutzt. Es gibt eine goldene Regel, die auch über die Feiertage hinaus gilt: Fest-bewusst genießen und jeden Tag Bewegung, auch Sport genannt. Dann kann man es „krachen“ lassen… 🙂

    1. Simone Kuisle sagt:

      Guten Tag lieber Klaus,

      vielen Dank für Ihren sehr interessanten Kommentar. Den Sport dürfen wir natürlich auch nicht vernachlässigen, da haben Sie recht. Mit der perfekten Mischung von allem kann man die Feiertage dann auch in Ruhe genießen. Wir wünschen Ihnen ein schönes Weihnachtsfest. Viele Grüße aus Memmingen Ihr GEFRO-Team

  2. Dina Knörzer sagt:

    Hallo, liebe Gefroleute, vielen Dank für Eure (wie immer) schnelle Lieferung. Ich liebe Eure Produkte. Bis bald

    1. Simone Kuisle sagt:

      Hallo liebe Dina, vielen Dank für Ihren lieben Kommentar. Die DHL und natürlich unsere fleißigen Pakerinnen tragen für die schnelle Lieferung den Hauptteil dazu bei. Gerne dürfen Sie an unserer BLOG-Aktion (https://www.gefro.de/blog/machen-sie-mit-ihre-empfehlung-auf-unserer-startseite/) mit einem Bild an blog@gefro.de teilnehmen. Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag. Viele Grüße Ihr GEFRO-BLOG-Team

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