Lassen Low-Carb- und Glyx-Diäten die Pfunde purzeln?
07/05/2005
Lassen Low-Carb- und Glyx-Diäten die Pfunde purzeln?
Fettsparen ist "out"!
Heute sind Diäten, die Kohlenhydrate reduzieren in aller Munde. Statt
Vollkornbrot mit Magerquark und ein wenig Rohkost gibt es jetzt ein
Omelett mit Ricotta oder Rühreier mit Speck zum Frühstück.
Diese neuen Kostformen haben gemeinsam, dass sie die Kohlenhydrate je
nach Wirkung auf den Blutzucker in günstige (komplexe) oder ungünstige
(schnell verwertbare) Kohlenhydrate unterteilen. Die empfohlene Kost
soll den Blutzucker möglichst wenig belasten.
Lebensmittel mit einem hohen Anteil an leeren oder ungünstigen
Kohlenhydraten (z.b. Weißmehlprodukte, Süßigkeiten, Limonaden,
Mehlspeisen, ...) werden vom Körper rasch verstoffwechselt. Die
Zuckerbausteine gehen sofort ins Blut, das Sättigungsgefühl ist zwar
schnell da, aber nicht von Dauer. Sinkt dann der Blutzuckerspiegel
wieder ab, fehlt dem Körper Energie, es kommen Hungergefühle auf. Und
da man diesem Hungergefühl nur schwer widerstehen kann, öffnet sich nun
der Teufelskreis: Hunger, ein Snack zwischendurch, das schnelle Auf und
Ab des Blutzuckerspiegels, erneut Hunger, ein kleines Eis... .
Im Stoffwechselgeschehen des Körpers steuert das Hormon Insulin einem
hohen Blutzucker entgegen. Es sorgt dafür, dass Muskel- und Fettzellen
den Zucker aus dem Blut aufnehmen und damit die Energie speichern.
Gleichzeitig hemmt das Insulin als Speicherhormon den Abbau der
Fettdepots und fördert damit das unerwünschte Übergewicht.
Lebensmittel mit einem hohen Anteil an komplexen Kohlenhydraten (z.b.
Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte...) werden dagegen sehr viel langsamer
verstoffwechselt. Die Sättigung ist von Dauer und es gibt keine
extremen Schwankungen des Blutzuckerspiegels. Die Lust auf die kleinen
Zwischenmahlzeiten tritt in den Hintergrund.
Die unterschiedlichen Effekte auf den Blutzucker lassen sich mit Hilfe
des glykämischen Index in Zahlenwerte ausdrücken. Der glykämische Index
(GI) wird in Prozent ausgedrückt und gibt an, wie der Blutzuckeranstieg
nach dem Verzehr von 50 g Kohlenhydraten aus einem Lebensmittel ist.
Als Vergleichs- oder Referenzwert dient der Wert nach dem Verzehr von
50 g Glucose. Eine Einteilung der Lebensmittel allein nach dem GI ist
aber wenig sinnvoll.
Der GI berücksichtig nicht den Kohlenhydratanteil einer normalen
Portion sondern bezieht sich immer auf einen Anteil von 50 g. So warnt
z.b. Montignac wegen des zu hohen GI vor dem Verzehr von Karotten. Aber
eine normale Portion Karotten (125 g) hat einen so geringen
Kohlenhydratanteil, dass der hohe GI bedeutungslos wird. Erst ca. 800 g
Karotten liefern die geforderten 50 g Kohlenhydrate.
Aus diesem Grunde arbeitet die LOGI-Methode mit der glykämischen Last
(GL).Die glykämische Last errechnet sich aus dem Produkt von GI und
Kohlenhydrate in der konkreten Portion.
Auch wenn mittlerweile umfassende Tabellen zum Thema GI veröffentlicht
wurden, ist es praktisch unmöglich, den Blutzuckeranstieg einer
kompletten Mahlzeit vorauszusagen. Fette, Proteine und auch
Ballaststoffe verändern den Blutzuckeranstieg dramatisch.
Begleitstoffe lassen die glykämische Antwort einer Mahlzeit niedriger
ausfallen. Einen weiteren Einfluss auf den Verlauf der Blutzuckerkurve
hat auch die Verarbeitung eines Lebensmittels. Kartoffelpüree hat einen
höheren GI als die ganze gekochte Kartoffel.
Ist nun das GI-Konzept die Methode der Wahl, um die Pfunde purzeln zu lassen?
Studien zeigen, das Übergewichtige mit Diäten nach dem GI-Konzept zu
Beginn schneller abnehmen als mit Diäten, die den Fokus auf die
Fettreduzierung setzen. Neuere Untersuchungen zeigen aber, dass über
ein Jahr gesehen die fettreduzierte Kost den Erfolg der GI-Diäten ein-
und auch oft überholt.
Übergewichte sollten in einem Beratungsgespräch vor Beginn der Reduktionskost erkennen, zu welchem Esstyp sie gehören.
Dem herzhaften Esser fällt es oft leichter auf Kohlenhydrate zu
verzichten, wobei der ?süße? Typus möglicherweise eher auf fettreiche
Nahrungsmittel verzichten kann.
Vielleicht ist ja auch der gesunde Mittelweg der Schlüssel zum Erfolg:
Fettsparendes Kochen, langsam resorbierbare Kohlenhydrate in Form von
Vollkornnudeln,Vollkornreis und Hülsenfrüchten, kombiniert mit
Milchprodukten, fünf mal täglich Obst und Gemüse berücksichtigt alle
Aspekte einer gesunden Kostform, verzichtet auf Verbote und wird zudem
allen Essvorlieben gerecht.
Vernünftiges Abnehmen ist nur dann möglich, wenn mehr Energie
verbraucht als aufgenommen wird. Ob low-carb oder low-fat, wer über das
Maß hinausschießt und einfach zu viele Kalorien zu sich nimmt, wird
dicker.
Das Übergewicht kommt nicht über Nacht und geht auch nicht über Nacht.
Der Weg zum Wunschgewicht ist langwierig und mühevoll und kann auch von
Rückschlägen begleitet sein. Wenn aber die Kilos auf der Strecke
geblieben sind, heißt es, das Zielgewicht zu halten. Voraussetzung
dafür ist eine Kost, bei der Genuss und Vielfalt nicht eingeschränkt
sind.
Das Abnehmen beginnt im Kopf und wenn es im Kopf begonnen hat, dann kann es auf der Waage vollendet werden.
Figur und Gesundheit profitieren am meisten, wenn man fettbewusste Kost
mit komplexen Kohlenhydraten kombiniert und das ganze mit einer großen
Portion Bewegung krönt.
Für Ihre Ernährungsfragen stehe ich zur Verfügung
Gerne beantworte ich Ihre E-Mail
Ihnen eine gute Zeit
Dr. Rita Hein
DrHein@GEFRO.de







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